Folgende Texte erschienen im ,,Grünen Anzeiger", Hefte 6/2006 und 1/2007 Die Verwendung Effektiver Mikroorganismen (EM) ist inzwischen in Vieler Munde. Nicht immer sind dabei die Grundlagen bekannt, so daß es sicher sinnvoll ist, einmal einen grundsätzlichen Blick auf Mikroorganismen, also einzellige Kleinstlebewesen, zu werfen – im allgemeinen und im besonderen auf die Effektiven Mikroorganismen. Effektive Mikroorganismen Was sie sind und warum wir sie brauchen von Dr.Anne Katharina Zschocke  Vor etwa drei bis vier Milliarden Jahren waren Mikroorganismen die ersten Lebewesen, die die Erde besiedelten. Ihnen verdanken wir unsere Existenz. Über Millionen von Jahren verwandelten sie durch ihren Stoffwechsel die damalige Ammonium-Salpeter-Stickstoff-Atmosphäre in eine sauerstoffhaltige mit Ozonhülle als Schutz und schufen damit die Lebensgrundlage für Flora und Fauna. Aus symbiotisch lebenden Einzellern wurden Mehrzeller und schließlich differenzierte Lebewesen. Bis heute sind Mikroorganismen in allen Bereichen unseres Lebens unentbehrlich. Nach Jahrzehnten der Mißachtung werden sie derzeit wieder mehr und mehr gewürdigt. Im Boden, bei Pflanzen, Tieren und Menschen ermöglichen sie Überhaupt erst den Stoffwechsel – eine wichtige Voraussetzung für Leben. Allein im menschlichen Darm siedeln circa 100 Billionen Mikroorganismen (als Zahl: 100.000.000.000.000), 500 verschiedene Arten hat man dort bisher bestimmt. Obendrein helfen Mikroben bei der Bereitung von Lebensmitteln: Brot, Käse, Sauerkraut, Joghurt und vieles andere gäbe es ohne sie nicht. In einem gesunden Lebensraum leben Mikroorganismen in einem symbiotischen Gleichgewicht. Sie ergänzen sich gegenseitig in ihrem Stoffwechsel und produzieren dabei zum Beispiel Enzyme, Vitamine, Antioxidantien und eine Vielzahl lebenswichtiger organischer Moleküle. Wird das Milieu der Mikroben gestört, beispielsweise durch mechanische Eingriffe, einseitige Beeinflussung, im Boden durch Pflügen, Umgraben oder synthetische Düngemittel, bei Pflanzen durch chemische Spritzmittel, bei Tieren durch unangemessenes Futter, bei Menschen durch Desinfektionsmaßnahmen, Antibiotika, allgemein durch Gifte und chemische Substanzen, dann gerŠt das mikrobielle Gleichgewicht aus dem Lot. Einzelne Keime können dann Überhand nehmen und das Ungleichgewicht verstärken, bis es zur Krankheit kommt. Fäulnisprozesse Überwiegen dann, belastende Stoffe entstehen und führen zur Vergiftung und Dauerschwächung des Lebensraumes. Unsere moderne Zivilisation hat zu einem Übermaß an Verbrennungsprozessen geführt. Beim Verbrennen fossiler Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle wird jener Prozeß umgekehrt, der im Laufe der Erdgeschichte während Milliarden von Jahren lebensfeindliche Gasverbindungen der Atmosphäre im Erdreich gebunden hatte. Durch die Verbrennung (bei gleichzeitiger Bindung von Sauerstoff) werden diese Verbindungen innerhalb kürzester Zeit wieder freigesetzt und führen zu einem enormen Ungleichgewicht in der gesamten Natur. In allen Lebensbereichen ist inzwischen das Milieu und infolgedessen auch seine Mikrobenstruktur verschoben, wodurch es zu starkem Überschuß von Fäulnisprozessen kommt. Die Fruchtbarkeit eines Bodens ist direkt abhängig von seiner ausgewogenen Vielfalt symbiotisch lebender Mikroorganismen. Auch die Makroorganismen (mit bloßem Auge sichtbar) sind davon abhängig. So ist zum Beispiel der Verdauungstrakt des Regenwurmes mit jenen Bakterien besetzt, die er mit seiner Nahrung aufnimmt. Je nachdem, ob es sich um eine ausgewogene Bakterienflora oder Überwiegend um Fäulnismikroben handelt, erfreut sich der Regenwurm größerer oder geringerer Gesundheit und zeigt entsprechenden Fleiß. Ebenso ist es um die Gesundheit der Pflanzenwurzeln bestellt. Sie sind komplett mit Bakterien und Pilzen bedeckt, diese dringen sogar bis in die Wurzelzellen ein – bekannt sind die Knöllchenbakterien bei den Schmetterlingsblütlern (Leguminosen). Die Mikroorganismen sondern Enzyme ab, die das umgebende Erdreich so aufschließen, daß es der Pflanze als Nahrung zur Verfügung steht. Gleichzeitig versorgt die Pflanze ihre Mikromitarbeiter mit Zuckern aus der Photosynthese. Wenn es sich bei Bodenmikroben Überwiegend um Fäulnisbakterien handelt, oder das nötige Bodenleben fehlt, werden die Wurzeln unzureichend mit Nährstoffen versorgt. Solche Pflanzen wachsen schwächer, geben weniger Frucht oder werden beizeiten von Schädlingen heimgesucht. Diese bauen geschwächte Exemplare ab, um sie, gemäß den Gesetzen der Natur, in den Kreislauf zurückzuführen und zu verhindern, daß sich die "Schwächlinge" vermehren. Die Symbiose ist bei Stauden und Gehölzen besonders ausgeprägt. Bei Bäumen hat sich die Wechselwirkung zwischen Boden, Wurzelpilzen (Mykorrhiza) und Wurzel im Laufe der Entwicklungsgeschichte zum Teil genetisch verankert. Fehlt einem Gehölz die zugehörige Mykorrhiza- Vielfalt, so verkümmert es oder geht ein. Das läßt sich derzeit besonders an Eichen beobachten. Auch sind in diesem Jahr vielfach Pilzerkrankungen am Buchsbaum aufgetreten. Sie konnten durch die Gabe von Effektiven Mikroorganismen und Mykorrhiza geheilt werden. Die Behandlung von Krankheiten mit Mikroorganismen ist beim Menschen seit Urzeiten bekannt. Alle alten Kulturen nutzten mit Mikroben gegorene Getränke, die zudem als Heilmittel eingesetzt wurden: so u.a. Met (Germanien), Bier (Sumerer), Soma (Indien) oder Kombucha (Osteuropa). Es gab auch Ärzte, die mit Bakterien heilten, wie im 20. Jahrhundert der Kreis um Dr. Hans Peter Rusch und Prof. Helmut Mommsen. Inzwischen ist wieder bekannt, daß bakterienreiche Nahrung eine Voraussetzung für gute Verdauung ist. Und daß gesundes Blut mit Mikroorganismen verschiedener Stadien belebt ist, bewies Prof. Günther Enderlein mit seinen Forschungen.   Was sind EM? Der Gartenbauprofessor Teruo Higa von der Universität Ryukyus in Japan entwickelte die Effektiven Mikroorganismen um 1980. EM ist eine flüssige Kultur aus einer Vielfalt verschiedener Mikrobenstämme, wie sie im Boden auch natürlicherweise vorkommen, und die ein gegebenes Milieu wieder ins Gleichgewicht Überführen kšnnen. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Behandlung von Störungen in einem Lebensraum, sei es in der Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Tierhaltung, im Gartenbau, Haushalt und bei der Hygiene. Der Einsatz von EM ist eine kausale Behandlung, weil das wiederhergestellte Gleichgewicht für die Aktivierung der Selbstheilungskräfte vonnöten ist. In seiner Forschung zum Thema Bodenverbesserung durch Mikroorganismen kam Higa der glückliche Zufall zu Hilfe. Nachdem er eines trockenen Tages die Restflüssigkeit seiner Laborarbeit drau§en auf den Institutsrasen geschüttet hatte, wuchs das Gras dort plötzlich besonders gut. Das zeigte ihm, daß nicht ein einzelner zugefügter Mikrobenstamm milieuverbessernd wirkt, sondern eine bestimmte Kombination. Beim Versuch, diese Mischung zu rekonstruieren, entdeckte Higa drei Grundprinzipien mikrobieller Wirkung neu: 1.) Aerobe (Sauerstoff benötigende) und anaerobe (Sauerstoffreiheit benötigende) Mikroben können entgegen landläufiger Meinung in demselben Milieu existieren und versorgen sich gegenseitig mit ihren Stoffwechselprodukten (friedliche Koexistenz). 2.) Mikroorganismen zeigen eine Stoffwechseltendenz. Sie können entweder Überwiegend aufbauend (anabol) oder abbauend (katabol) verstoffwechseln. Man spricht von regenerativen oder degenerativen Mikroben. 3.) Mikroorganismen lassen sich in Gruppen einteilen, von denen einige eine regenerative bzw. eine degenerative Dominanz zeigen. Die meisten verhalten sich aber indifferent und Übernehmen die Stoffwechselrichtung, die die dominanten MikrobenstŠmme im jeweiligen Milieu vorgeben.  Da aufgrund der gesteigerten Verbrennung fossiler Rohstoffe degenerative Prozesse vorherrschen entwickelte Higa in mühsamer Kleinarbeit eine Kombination dominant regenerativer Stämme ausgewählter Milchsäurebakterien, Photosynthesebakterien, Aktinomyzeten und Hefen. Sie werden mittels Zuckerrohrmelasse vermehrt und sind, als ’EM‘ bezeichnet, in flüssiger Lösung erhŠltlich. EM sind grundsätzlich nicht gentechnisch behandelt.   Wirkweise von EM Die natürlichen Prozesse sind so komplex, daß wir sie nur unvollständig begreifen. Was wir verstehen, ist Folgendes: EM wirken auf verschiedenen Ebenen. Sie führen zur Wiederbesiedelung eines verarmten Milieus mit der ihm natürlicherweise zustehenden Mikrobenflora und dadurch zu einer gesunden Resistenz gegenüber Krankheiten. Sie bringen ein in Einseitigkeit geratenes Milieu durch das Gleichgewicht aerober und anaerober Prozesse wieder zur gesunden Mitte. Sie verdauen organisches Material und produzieren Enzyme, Vitamine, Antioxidantien und weitere bioaktive Stoffe. Sie setzen Gravitationswellen frei, die eine energetische Aufbauwirkung zeigen. EM können in jeden Bereich des mikrobiellen Kreislaufes Boden-Pflanze-Tier-Mensch und Wasser eingebracht werden. Der Einsatz im Boden stellt die Grundlage dar. Es zeigt sich nach nunmehr jahrzehntelanger Erfahrung, daß ein mit EM behandelter Boden gesundet. Er bringt innerhalb kurzer Zeit gesündere Pflanzen mit besserer Qualität, besserem Geschmack und größeren Erntemengen hervor. Mit EM versorgte Tiere können frei von Medikamenten gehalten werden. Auch Luft- und Wasserreinigung und Sanierung schwermetallbelasteter Böden ist möglich. Es gibt inzwischen zahllose Anwendungsbeispiele von der Gemeindekompostieranlage über Großgärtnereien, Großbetriebstierhaltung, Haushalt, Gastronomie, Müllverarbeitungsanlagen bis zur Hygieneverbesserung, wie zum Beispiel in den Slums von Nairobi (Kenia). Jeder hat in seinem Umfeld Möglichkeiten für den Einsatz der kleinen unsichtbaren Mitarbeiter. Mit dem Einsatz von EM verbindet sich auch eine Philosophie. Nachdem Higa erkannt hatte, daß für die gegenwärtig großen Herausforderungen auf der Erde, nämlich Nahrungsmangel, Umweltzerstörung, Energiebedarf und Krankheit mit Hilfe von Mikroben Lösungen gefunden werden können, ist es sein großer Wunsch, EM zur Heilung unseres Planeten einzusetzen. Jeder soll diese Mikroorganismen so günstig wie möglich erhalten kšnnen. Für Higa liegt die Zukunft der Menschen darin, das Prinzip der "friedlichen Koexistenz", wie es die sich gegenseitig versorgenden und fördernden Mikroorganismen zeigen, zu begreifen und im Alltag umzusetzen. Im freiwilligen Geben und Nehmen kann dann ein Gleichgewicht entstehen, das nicht nur im Boden, sondern auch bei uns Menschen zu Gesundheit, Freude und ZuFRIEDENheit führt. Mehr zur praktischen Anwendung der Effektiven Mikroorganismen lesen Sie im folgenden Beitrag, welcher auch im GRÜNER ANZEIGER 1/2007 erschien.